Witiko by Stifter Adalbert

Witiko by Stifter Adalbert

Autor:Stifter, Adalbert
Die sprache: deu
Format: epub
Herausgeber: (Privatkopie)
veröffentlicht: 2010-02-03T05:00:00+00:00


»Hoher Herr«, sagte Witiko, »ich danke Euern Worten. Was ich getan habe, das habe ich nicht des Lohnes wegen getan, sondern weil ich meinte, daß es gut sei. Und darum habe ich es mit Liebe getan, die sich zur Liebe gegen Euch gesellte. Jedes Glück, das mich findet, ist eine Gnade des Herrn, und das Glück im Walde ist meinem Herzen lieber als das Glück anderswo.«

»Lasse die Liebe zu mir dauern, Witiko, wie die meinige zu dir dauert«, sagte Zdik, »genieße die Ruhe nach dem Ritte, und zeige mir morgen wieder dein Angesicht.«

Dann wendete er sich zu den Dienern, und sagte: »Weise einer dem Ritter seine Schlafstelle.«

Ein Diener schickte sich zum Gehorchen an.

»Habt gute Ruhe, hochehrwürdiger Herr«, sagte Witiko.

»Du auch, mein Sohn«, sagte Zdik.

Darauf ging Witiko mit dem Diener aus dem Gemache.

Der Diener führte ihn über den erleuchteten Gang, dann über eine Treppe hinauf zu einer großen Eichentür.

Sie gingen durch die Tür in ein Vorgemach. In dem Vorgemache saßen zwei Diener und Raimund.

»Diese Männer sind zu Euern Diensten, hoher Herr«, sagte der, welcher Witiko geleitet hatte, und entfernte sich.

Die Diener in dem Vorgemache erhoben sich.

Witiko sagte zu Raimund: »Folge mir.«

Raimund erhob sich auch von seinem Sitze.

Witiko ging mit ihm von dem Vorgemache in ein zweites kleineres Vorgemach, in welchem ein Lager bereitet war, das er als das Nachtlager Raimunds erkannte. Dann gelangte er in ein Speisezimmer, in welchem der Tisch zum Abendessen gerüstet war. Aus dem Speisezimmer kamen sie in ein Gemach, in welchem Waffen und schöne Kleider waren. Und neben diesem Gemache befand sich das Schlafzimmer für Witiko. In allen Gemächern brannten Lichter.

»Nun hast du unsere Wohnung gesehen, Raimund«, sagte Witiko, »jetzt folge mir in den Stall.«

Er lehnte das Geleite eines Dieners ab, und führte Raimund in den Stall.

Dort sahen sie nach den Pferden, und gingen dann wieder in ihre Gemächer.

Witiko ging mit Raimund in das Kleiderzimmer, dort setzte er sich nieder, nahm die Lederhaube von seinem Haupte, und strich sich die blonden Haare zurück.

»Siehe, Raimund«, sagte er, »nun ist die Mühsal überstanden. Sie haben uns in dieser kirchlichen Burg schöne Zimmer gegeben, und werden auf den Tisch bald Speisen stellen, die uns wohltun werden, und auf den guten Lagern wird die Ruhe gut sein.«

»Über mich aber wird harte Strafe kommen«, sagte Raimund.

»Warum wird Strafe kommen?« fragte Witiko.

»Ich habe dem hochwürdigsten Bischofe mein Pferd zu halten gegeben, und habe ihm gar den Strick des Diebes in die Hand gegeben«, antwortete Raimund. »Ihr habt mich nicht belehrt, und ich habe ihn nicht gekannt; denn das braune Gewand ist schlechter gewesen, als die weiten Gewänder, die sie im innern Lande tragen, es ist auch schlechter gewesen als das andere braune Gewand, das der Mann angehabt hatte, der Euch den Schwertgürtel des Herzogs und Eure andern Dinge in den obern Plan gebracht hat. In der großen Stadt Nürnberg hat der hochehrwürdigste Bischof ein veilchenblaues Kleid gehabt und eine goldene Kette und ein goldenes Kreuz und eine schöne Haube und einen gekräuselten Bart. So hätte ich ihn gekannt. Und in dem Hause, wo wir zur Nachtherberge waren, habe ich ihm die besten Speisen weggegessen.



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